Ein Jahr lang warten auf den nächsten Markt

Hiltrud am 7. Februar 2010 um 19:02

Fortsetzung: Kleines Markt-Tagebuch

Sonntag, 7. Februar 2010

Heute haben wir eine Frau auf der Straße getroffen, die meinte: ” Morgen kommt der schrecklichste, deprimierendste Montag des Jahres”. Ja, ab morgen ist alles vorbei. Heute schon ist Jokkmokk bedeutend leerer. Das Restaurant Opera in der Hauptstraße war noch gut besucht, aber nun sind diejenigen , die gehen, in der Mehrzahl. Wir aber dürfen bleiben und genießen und verarbeiten die vielen Eindrücke. Am schönsten waren die Begegnungen mit anderen Menschen, neue Gedanken, neue Ideen … und natürlich: das Joiken der Kuh!

Hier noch ein paar letzte Bilder vom Jokkmokk-Markt 2010

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Nationaltag der Sami 6. Februar

Hiltrud am 7. Februar 2010 um 10:30

Fortsetzung: Kleines Markt-Tagebuch

Samstag, 6. Februar 2010

Gestern, am Samstag, war so viel los, dass ich nicht dazukam, zu schreiben. Das hole ich jetzt nach.

Die Marktstände waren sehr gut besucht, Busse von überall her kamen und so drängten sich die Besucher zwischen Rentierfleisch, Lederrucksäcken, Wollsachen, Heilcremes, Wurst- und Süßigkeitenständen … Mir war es zu voll. Ich besuchte einen Vortrag einer jungen samischen Autorin, Ann-Helen Laestadius, die ein Jugendbuch über das Selbstverständnis einer jungen “Halbsamin” geschrieben hat. Sie meinte, es gäbe nicht nur den Rassismus der Schweden den Sami gegenüber, sondern auch Rassimus der Samen gegenüber  ”Halbsamen”. Sie hat eine samische Mutter und einen schwedischen Vater und hat nie die samische Sprache gelernt. Deshalb wäre es manchmal schwer für sie, von Samen akzeptiert zu werden.

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Am Nachmittag machten wir einen kleine Rundflug mit dem Helikopter, 10 Minuten hoch in der Luft, über Jokkmokk und den Marktbesuchern. Es war sehr beeindruckend und ging  so schnell vorbei, dass ich gar keine Zeit hatte, über meine Flugangst nachzudenken.

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Schlittenhundefahrten am Talvatis war der große Renner. Die Leute standen Schlange und fotografierten fasziniert die 12 eingespannten Huskys, die aufgeregt bellten, bevor sie wieder eine Runde fahren durften.

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Gestern, am Samstag, war der samische Nationaltag. Gefeiert wurde er in der Kirche Jokkmokks mit einer sehr guten, sehr kritischen Rede des Vorsitzenden des “Sametinget”, der Samiregierung in Kiruna. Dann hörten wir vier Künstlern beim Joiken zu: Katarina Rimpi, Anja Storelv, Jörgen Stenberg und Nils Per Stålka. Sie joikten allesamt so unglaublich unterschiedlich und so unglaublich gut. Joiken kann man alles: die Kirchenglocken, den Tod einer Frau, den Fluss, an dem man wohnt. Mir hat der Joik der Kuh am besten gefallen.

Heute am Sonntag, sind die Marktstände abgebaut, es wird wieder ruhig in Jokkmokk. Im Aijtte-Museum werden noch Ausstellungen und Filme gezeigt, in der Samischule sind noch ein paar Aussteller da, ansonsten kann man jetzt bei einem Spaziergang rund um den Talvatis die Sonne bei 15 Grad minus genießen.

Der Joik des Hasen, des Elchs und der Krähe

Hiltrud am 5. Februar 2010 um 19:41

Fortsetzung: Kleines Markt-Tagebuch

Freitag, 5. Februar 2010

Strahlende Sonne bei minus 20 Grad haben die Marktbesucher heute ins Freie gelockt”. “Wild Hasse”, eine Instution und der Poet unter den Markverkäufern, war da und verkaufte Bären- und Elchwurst.

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Kleine Mädchen streichelten - tote - Rentiere, p1110257

ich wartete auf die “storbröllop”, die große Hochzeitszeremomie, die nicht stattfand und wärmte mich in der “gamla Apoteket”, der alten Apoteke mit Kaffe und Kuchen auf, den meine Füße waren völlig eingefroren.  Dann kam einer der Höhepunkte des Marktes, der “renrajd”, der Rentierzug, der durch den Markt zog.

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Mein Höhepunkt hatte wieder mal mit dem Joik zu tun. Ich nahm an einem Joikkurs teil und lernte den Joik des Hasen, des Elchs und den Joik der Krähe. Jetzt bin ich “angefressen”, wie man so schön sagt und will mehr und mehr und mehr wissen über das Joiken.

Humorvolle, sarkastische und gemeine Joiks

Hiltrud am 4. Februar 2010 um 19:47

Fortsetzung: Kleines Markt-Tagebuch

Donnerstag, 4.Februar 2010

Impressionen vom Markt:

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Seit heute morgen zehn Uhr waren die Marktstände geöffnet. Was für ein Gewusel in der kleine Stadt. Für mich war das Beste heute ein Vortrag über den Joik, den Gesang der Sami, den der Lulesame Per Niila Stålka gehalten hat. Er hat uns die Geschichte des Joik erzählt und besonders interessant fand ich, dass man seit frühester Zeit Personen gejoikt hat. Jede Person hatte seine eigenen Melodie - und - man hat diese Melodie nicht  der betreffenden Person “vorgejoikt”, man hat sie nur gejoikt, wenn sie nicht dabei war - denn der Joik konnte zwar manchmal humorvoll, aber er konnte auch fies und gemein sein.

Wir hatten es schön …

Hiltrud am 3. Februar 2010 um 20:04

Fortsetzung: Kleines Markt-Tagebuch

Mittwoch, 3. Februar 2010

Wunderschönes Winterwetter bot sich heute den Marktbesuchern. Der Schnee glitzerte und ich sah Touristen bewundernd über unseren Talvatissee schauen. Wir wohnen wohl auf einem schönen Fleckchen Erde.

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Heute hat die Schwester des Samikünstlers Lars Pirak, Anna-Lisa Sandberg, von ihrer Kindheit erzählt. Sie lebte mit ihren Eltern und den beiden Brüdern einsam in einer Hütte in der Nähe von Karats am Pärlälven.  Nähe bedeutet, fünfundzwanzig Kilometer von Karats entfernt. Der nächste Nachbar, der ein Telefon hatte, wohnte acht Kilometer weit weg. „Das war nah“, meinte sie, „wir sprangen kurz rüber, das war keine Entfernung.“ Schön war sie, ihre Kindheit, die Kinder spielten viel zusammen, auch die Nachbarnkinder kamen (die acht Kilometer entfernten), sie hatten viel zu lachen. Manches jedoch war nicht so leicht. Sie berichtete, wie sie als kleines Mädchen in die Schule nach Jokkmokk musste, das war eine Internatsschule. Von August bis Weihnachten war sie von ihren Eltern getrennt. Sie versteckte sich hinter einem großen Baum, weil sie ihrem Vater nicht auf Wiedersehen sagen konnte.

Anna-Lisa lebt heute noch in Karats und hat acht Enkelkinder, denen Sie die Schönheit der Natur vermittelt.

Ach ja, der “richtige” Markt wurde heute eingeweiht, mit Musik und Reden, Filme gab es wieder, Ausstellungen und das Sami-Zentrum Sami Duodjis hat seine neue Butik eröffnet. Morgen geht es richtig los, dann wird der Ansturm der Touristen kommen …

Nordlichter und Rentierzug

Hiltrud am 2. Februar 2010 um 20:17

Fortsetzung: Kleines Markt-Tagebuch

Dienstag, 2. Februar 2010

Die Temperaturen stiegen heute auf angenehme 15 Grad minus. Die dickste Jacke wird gegen die dicke Jacke getauscht. Wieder ist der Markt geöffnet, aber nicht nur hier ist etwas los. Auch im Aijtte, im Samimuseum, kann man sich lange aufhalten. Ich habe einen Film gesehen, „Rajd“, eine Einspielung aus dem Jahr 1945. Der Filmemacher begleitete die Familie Spiek auf den Wanderungen mit ihren Rentieren in die Berge, ins Sarek und Padjelanta. Mühsam war dieses Leben, aber die Menschen, die hier gezeigt werden, sehen zufrieden aus. Ein junges Mädchen taucht auf, eine Samin, die ihre Eltern auf dem „Rajd“ begleitet. Sie sitzt vor mir in der Reihe, heute eine alte Frau und ich darf ihr nach dem Film die Hand drücken.

Im Aijtte gibt es neben den jährlichen auch spezielle Ausstellungen für den Markt. Beispielsweise eine „norrskenutställning“, eine Ausstellung, die Bilder von Malern und Fotografien mit Nordlichtern zeigt.

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Patricia Cowerns Bilder sind wieder mit dabei. Sie, eine Engländerin, lebt schon viele Jahre in der Nähe von Jokkmokk, in Porjus, und macht wunderschöne Aufnahmen von Nordlichtern.

Gerade ist ein Konzert in der alten Kirche von Jokkmokk, im Café Gasskas ist später Lifemusik, im „hembygdsgård“ ist Abendessen mit Unterhaltung … wohin?

Übernachten im Igloo - keine Macht der Welt …

Hiltrud am 1. Februar 2010 um 17:41

Fortsetzung: Kleines Markt-Tagebuch

Montag, 1. Februar 2010

Am Morgen wurden die ersten Marktstände auf dem historischen Markt aufgebaut und ab 12.00 mittags war es dann soweit, die Marktstände konnten besucht werden.

Es war noch ein wenig kälter als gestern, minus 24 Grad zeigte das Thermometer an meinem Fenster und so bin ich eingepackt und mit Fingerhandschuhen bekleidet auf den Markt gestiefelt. Zuerst waren meine Finger noch angenehm angewärmt von der kuscheligen Wohnung, dann aber drang die Eiseskälte unbarmherzig durch die Wolle hindurch; aber Fotos schießen mit den dicken Fellhandschuhen, das geht einfach nicht.

Die Marktständler waren auch bei diesen Temperaturen guter Dinge und priesen ihre schönen Waren an: dicke Felle, bunte Handschuhe, fein genähte Mützen, Schals und Pullover in allen Farben, handgemachte Salben und Pastillen, Kuchen und Bonbons, Ziegenkäse und Rentierfleisch; kleine Mädels verkauften selbstgemachtes Brot, das auf Stein gebacken wird; hier gibt es nur Dinge, die man auch schon vor vierhundert Jahren kaufen konnte.

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In der kleinen Stube erzählte Yngve Ryd von Tieren, draußen vor der Tür wurde traditionelle Kleidung gezeigt. Am Feuer konnte ich mir die eingefrorenen Füße wärmen,

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dann nichts wie heim in die warme Wohnung und mit heißer Schokolade und gekauften und erwärmten Apfelkuchen aus der Mikrowelle Leib und Seele auftauen. Es geht doch nichts über die Technik der neueren Zeit!

PS: In der Nähe von Jokkmokk, in Skabram, kann man eine Nacht in einem Igloo verbringen. Ein besonderes Ereignis für Touristen. Keine Macht der Welt …

Jokkmokk-Markt - kleines Tagebuch

Hiltrud am 1. Februar 2010 um 17:15

Sonntag, 31. Januar 2010

Polarkarneval

Bei minus 20 Grad und leichtem Schneefall wurde gestern Abend, am Sonntag, der historische Markt in Jokkmokk eröffnet.

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Mit einem Fackelzug ging es vom heutigen Marktplatz zum früheren, dem alten Markt- und Sammelplatz der Sami in Mitten des kleinen Wäldchens am Talvatissee. Dort ist extra für den Markt eine Schneekirche errichtet worden, genau an dem Platz, an dem 1607 eine Kirche für die Sami erbaut worden war. Um 17.00 fand ein Gottesdienst mit Chor statt und der Pfarrer weihte den Markt mit den Worten ein: Wir müssen nicht nach Rio, wir eröffnen heute den Polarkarneval.

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Die Stimmung war sicherlich eine andere als in Rio, nicht so ausgelassen, ist auch etwas schwierig sich mit Hosen und Überhosen, dicken Jacken, noch dickeren Mützen und Handschuhen, das Gesicht dick mit wasserfreier Creme verziert, ausgelassen zu bewegen, aber sie war feierlich, festlich.

Die Fackeln und Lichter zeugen davon, dass es jetzt wieder aufwärts geht mit dem Licht, die Sonne kommt zurück, das Leben. Und das ist eigentlich das Schönste am Markt, wir wissen, jetzt wird es wieder Frühling – auch in Jokkmokk.

1 Woche vor dem Samimarkt

Hiltrud am 25. Januar 2010 um 10:12

Seit Wochen sind die Vorbereitungen für den Samimarkt im Gange. Die Bagger räumen die Schneeberge weg, die städtischen Mitarbeiter glätten die Schneestraßen,  damit die Touristen laufen können. Im kleinen Wäldchen am Talvatissee werden eine Schneekirche und eine Schneeskulptur gebaut, ein Schneehuhn mit seinen Jungen. Wir sehen die ersten Fremden in der Stadt, die gut, aber für die Wetterverhältnisse (minus 15 Grad) nicht immer passend angezogen sind. Die ersten Wohnmobile tauchen auf. Die kleine Stadt wird langsam voller. Jokkmokk rüstet sich für den Wintermarkt. Spannend!

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Der Wolfs Wahnsinn in Schweden

Rainer am 3. Januar 2010 um 15:58

Eigentlich wollte ich selber  über den Wahnsinn schreiben, dem in Schweden zum Jahresanfang der behördliche Segen gegeben wurde. Doch es ist zu traurig, meine Worte würden zu ärgerlich ausfallen und womöglich als generalisierend empfunden werden. Deshalb heute aus gegebenen Anlaß einen Link zum Artikel von Reinhard Wolff bei der TAZ (die Tageszeitung) - gut geschrieben und beschreibend. Nur noch eines:

Vielleicht sollten wir genauer wählen, in welche Regionen wir in Zukunft reisen und unser Geld ausgeben für unseren Urlaub im “Traumland Schweden”. Es gibt leider Regionen, in denen nur drei Interessen von Bedeutung sind: Skooter fahren, saufen, und jagen. Die derzeitige Regierung hatte sich wohl erhofft durch ihre “Jagdgeschenke” in jenen Regionen Stimmen für die Reichstagswahl in diesem Jahr gut zu machen - doch es zeigt sich bereits, dass diese wahnwitzige, traurige und dumme Aktion nur geschadet hat.
Hier gehts zum Artikel der TAZ:

www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/keine-chance-fuer-den-wolf/