Ach wäre es doch ein Aprilscherz …

Hiltrud am 1. Dezember 2008 um 18:49

Manchmal gibt es Meldungen in der Zeitung, die man dem 1. April zuordnen möchte. Schlimm ist es, wenn es solche Meldungen unter dem Jahr gibt. Da frage ich mich: Bin ich hier richtig?

Ein Mann wurde in Hapraranda angeklagt, eine Frau vergewaltigt zu haben. Sie bezichtigt ihn, sie während sie schlief vergewaltigt zu haben. Zur seiner Verteidigung meinte der Mann, er habe während der Vergewaltigung auch geschlafen. Gewitzt oder einfältig? Das ist hier die Frage, mit der sich nun ein Schlafexperte - ein Oberarzt - beschäftigen muss. Damit das Gericht der Sache auf den tiefsten Grund gehen kann, wurde die frührere Freundin des Angeklagen herangezogen, die bestätigte, dass ihr damaliger Freund tatsächlich dieses sexuelle Verhalten während ihrer früheren Beziehung an den Tag gelegt habe. Ja, und nun wird also das Gericht entscheiden, ob der Mann tatsächlich eine Frau im Schlaf vergewaltigt hat und danach wird dann das Strafmaß ausfallen.

Jippi, ich schlage meinen Todfeind im Schlaf eins in die Fresse, ich verprügle meine Kinder im Schlaf, ich  werfe den Hund im Schlaf vom Balkon … und schon ist die Sache vergessen.

Ich wär so gerne im falschen Film … Wenn es nicht so wunderschön wäre hier, im Tiefschnee, alles weiß gezuckert, die Natur schläft, sie packt sich in Schnee und Eis und macht die Augen zu. Das sollte man ab und zu auch tun. Keine Zeitung, keine Nachrichten, nur genießen, damit man die harte Realität danach  wieder ertragen kann.

Manchmal ist es schwer …

Hiltrud am 26. November 2008 um 19:40

Manchmal sind die Tage hier nicht so leicht. Die Nachrichten sind voll von negativen Meldungen:

* Das Gesundheitssystem wird noch schlechter. Eigentlich sollte gewährleistet sein, dass man am selben Tag, wenn man krank ist, den Arzt zumindest telefonisch erreicht. Aber nicht mal das ist der Fall. Eine neue Studie sagt, dass 20% aller Patienten am ersten Tag ihrer Krankheit niemanden erreichen. Wie gesagt, es geht nicht darum, den Arzt persönlich zu treffen, es geht darum, mit ihm am Telefon zu sprechen.

* Schweden hat 1999 das “sexköplagen” eingeführt. Das heißt, alle die Sex kaufen, können bestraft werden. Bislang ist bekannt, dass dieses Gesetz keinerlei Verbesserungen für Prostituierte gebracht hat; jedoch denkt die “vänsterparti” jetzt darüber nach, das Gesetz auszudehnen und auch Schweden, die im Ausland Sex kaufen, zu bestrafen. Vorreiter für dieses Gesetz ist Norwegen.

* Die Haltung der Schweden gegenüber einer Vielfalt in der Bevölkerung wird negativer. 2005 hatten 3,8% der Schweden eine extrem negativeHaltung, jetzt sind es 5,7 %. Zwar gehören die Schweden wohl immer noch zu denen, die recht positiv gegenüber Ausländer eingestellt sind, jedoch merkt man an diesen Zahlen, dass sich die Halung langsam verändert.

Manchmal nützt es, wenn man keine Zeitung liest und keine Nachrichten hört. Aber dann trifft man auch noch persönlich auf  lauter Inkompetenz und Unprofessionalität. Wie heute, als wir uns einen Vortrag über Werbung anhören wollten und der Vorträger nur auf Video zu sehen war. Eigentlich eine gute Idee, wenn man bedenkt, wie weit weg Jokkmokk von der nächsten größeren Stadt ist. Aber wenn sich der Vorträger nicht mal vorstellt und zehn Minuten lang smalltalk macht, ohne zum Thema zu kommen, da wünscht man sich ab und an wieder nach Deutschland. Manche Tage muss man einfach abhaken.

Die ersten Kältetoten

Hiltrud am 23. November 2008 um 19:56

Gerade noch war ich in Deutschland, habe noch einmal die letzten Sonnenstrahlen und 15 Grad Wärme genossen, da gibt es hier in Schweden die ersten Kältetoten in Dalarna. Zwei Männer (57 und 41 Jahre alt) sind mit ihrem Auto im Wald in einer großen Pfütze hängengeblieben und habe mehrere Stunden vergeblich versucht, das Auto wieder flott zu kriegen. Erst nach einigen Stunden haben sie die Rettungswacht verständigt, jedoch war der ältere der beiden Männer bereits tot, der jüngere konnte stark unterkühlt gerettet werden.

Es ist kalt hier im Norden. Auch heute haben wir es wieder gespürt. Eine Stunde bei minus 10 Grad und wir waren - samt unserem Welpen -völlig durchgefroren. Kein Wunder, dass die Turisten den November in Lappland meiden und die Schweden nach Thailand flüchten.

Idylle und Kriminalität

Rainer am 3. November 2008 um 11:29

Wenn Gleichgültigkeit sich ausbreitet im idyllischen Schweden, so folgt ihr auf dem Fuße die Ausbreitung der Kriminalität, wie uns die neueste Statistik vor Augen führt:
94% der “gewöhnlichsten Verbrechen” - nach hiesiger Definition sind das Gewaltverbrechen, Sexualverbrechen, Einbruch und Raub - bleiben unaufgeklärt. Im vergangenen Jahr war jeder 7. Einwohner Schwedens Opfer eines Verbechens, laut offizieller Statistik. Da dies auf den Zahlen “angezeigter” Verbrechen gründet, zeigt uns das Ergebnis einer Befragung in Dagens Nyheter ein noch düsteres Bild: Hier gab jeder zweite Befragte an, Opfer eines Verbrechens geworden zu sein im genannten Zeitraum.

Soweit so gut oder schlecht. Wo´s mir schlecht wurde war die Aussage unserer Justizministerin Frau Beatrice Ask als sie vom Fernsehen zu einem Kommentar gebeten wurde über ihre Arbeit: “Ich glaube, dass bei der Polizei eine Kultur lebt, in der man davon ausgeht, dass man eh nichts machen kann um Verbrechen zu lösen”

Wenn euch also das nächste Mal ein Polizist einen Strafzettel geben will weil das Auto nicht korrekt innerhalb der weißen Parkmarkierungen steht, macht ihn darauf aufmerksam, wenn gleichzeitig 10 Meter hinter ihm ein Mensch auf offener Straße zusammengeschlagen wird.

Go home Beatrice und nimm´ deine Polizei-Kultur mit.

Ohne Internet im Abseits

Rainer am 28. Oktober 2008 um 10:37

Das Leben in Schweden ist - auch wenn man in grandioser Natur lebt - soweit digitalisiert, dass derjenige der nicht “am Internet” hängt Gefahr läuft,
immer weniger am allgemeinen Wohlstand teilnehmen zu können.

Das Ziel der vorherigen Regierung, alle Haushalte ans Internet anszuschließen ist noch nicht erreicht (4 von 5 Haushalten)
Im Rahmen dieser Untersuchung stellte man fest, dass die Obdachlosen in Schweden ganz besonders das Nachsehen haben in Sachen Internetanschluß (1 von 5).

Kaufzeit in Schweden

Rainer am 28. Oktober 2008 um 10:32

Wer jetzt in der glücklichen Lage ist, sein Einkommen in Euro zu verdienen,
und schon lange ein Häuschen in Schweden haben möchte, hat jetzt günstige
Möglichkeiten dazu.
Auf breiter Front fallen die Preise für Häuser, auch Freizeithäuser, und noch mehr für Wohnungen.
1 Euro bringt obendrein zur Zeit 10 schwedische Kronen in den Reisegeldbeutel und macht das Kaufen hier noch attraktiver - für dich, der Euro hat.

Doch Augen auf beim Häusleskauf, besonders wenn es ohne zugelassenen Makler geschieht.
- Gibt es eine Baugenehmigung für das Sommerhaus?
- Wasseranschluss? Abwasser? Strom?
- Funktioniert das Mobiltelefon hier?
- Liegen Rechte “anderer” auf dem Grundstück? Wegerechte?
- Hat oder hatte das Haus einen Wasserschaden? Schimmel?
…..vielen Fragen sollte sehr konkret nachgegangen werden und soweit möglich fachkundige Hilfe von neutraler Seite eingeholt werden.

Schicke Wohnungen in Stockholm rutschen auch endlich wieder auf ein vernünftigeres Niveau und locken Käufer die in Euro bezahlen.  Auf Grund der finanziellen Talfahrt in Schweden suchen immer mehr Menschen Wohnungen zu mieten.

Schweden, das Land der Möglichkeiten.

“Zeig deinen Finger Hänsel”,

Rainer am 20. Oktober 2008 um 9:08

sagte die Hexe, um zu sehen ob Hänsel schon tüchtig
zugenommen hatte, um ihn zu schlachten.

Was hat das mit Schweden zu tun? Sehr viel. Eine Schule
in Uddevalla (Südschweden) und eine Schule in Vännäs
(Nordschweden) haben die obligatorische Pflicht zur
Identifierung mit Hilfe von Fingerabdruck plus 4-ziffrigen
Kod für die Schüler eingeführt, wenn sie in der Mensa
ihr Essen bekommen wollen.
fingerabdruck.jpg 4711
Integritätsverletzend - sagt die Datenschutzbeauftragte - ja
sowas solls sogar in Schweden geben - und als Antwort gibts:
In ein paar Monaten haben wir die rechtliche Grundlage
gelegt im Rahmen des Regierungsgerichtes.

Mahlzeit! Mir vergeht der Appetit.

Neues aus der Schule

Hiltrud am 19. Oktober 2008 um 15:57

In Schweden hat eine einzelne Schule sehr viele Rechte. So kann es z.B. sein, dass eine Schule schon seit Jahren Beurteilungen für Schüler der unten Klassen abgibt, andere Schulen lehnen dies grundsätzlich ab. Seit diesem Schuljahr ist es jedoch Pflicht geworden, Schüler bereits ab der ersten Klasse eine Beurteilung zu geben. Für die ersten Klassen werden nun zwei Beurteilungen eingeführt: “ja” und “unsicher” können die Lehrer ankreuzen, wenn es darum geht, ob die Schüler das Klassenziel erreicht haben. Etwas dürftig, würde ich sagen! Derzeit werden heiße Diskussionen zu diesem Thema geführt, vor allem geht es auch darum, dass die Lehrer bisher keinerlei Weiterbildung bekommen haben. Sie wissen schlichtweg nicht genau, wie sie mit dieser neuen Beurteilung umgehen sollen.

In der neunten Klasse der Grundschule entscheiden sich die Schüler, ob Sie auf dem weiterführenden Gymnasium (Klasse 10-12) zusätzlich zum Abitur einen Beruf erlernen. In diesem Schuljahr haben sich 8000 Schüler für die berufliche Richtung entschieden.  Die meisten Schüler haben sich für den Bereich “Elektrizität” entschieden, dann folgen Berufe, die mit “Media” zutun haben, danach kommt das “Bau”-Programm. Wählen die Schüler die berufliche Richtung, so sind Praktika während der Schulzeit vorgesehen. Und nun schlägt die allgemeine Wirtschaftskrise auch hier zu. Es wird sehr schwierig werden, Praktikaplätze für die Schüler zu finden. Noch viel mehr trifft das für die Schüler zu, die eine “Lehrlingsausbildung” machen (das ist neu!). Hier soll 50% der Ausbildungszeit in einem Betrieb ablaufen. Aber Betriebe zu finden, die Schüler aufnehmen, das wird immer schwieriger.

Trotz alledem gibt es noch Jobs …

Hiltrud am 15. Oktober 2008 um 10:41

Die Krisenberichte nehmen nicht ab. Nach Volvo entlassen nun auch viele Unterlieferanten ihre Arbeiter, auch Ikea enlässt 100 seiner Angestellten und viele melden sich wieder bei der “A-kassa”, der Arbeitslosenkasse und werden wieder Mitglieder. Die Angst vor Arbeitslosigkeit ist auch in Schweden groß. Und dennoch gibt es  noch ein paar Bereiche, in denen Arbeitskräfte gesucht werden. Verkäufer braucht man, Handwerker, Ökonomen und teilweise auch Angestelle im öffentlichen Dienst. Aber hier gilt für alle, die auswandern möchten, wie eh und je: Man muss die schwedische Sprache beherrschen. Im handwerklichen Bereich kann man sich noch am besten mit nur wenigen Schwedischkenntnissen durchschlagen, aber in allen anderen Berufen sind zumindest Grundkenntnisse in der schwedischen Sprache gefordert.

Neue Vorträge in Deutschland und in Schweden

Hiltrud am 11. Oktober 2008 um 18:12

Ich werde bald nach Süddeutschland reisen und dort ein paar Vorträge über meine neue Heimat halten. Ich zeige viele Bilder, berichte aus meinem Alltag, lese aus meinen Büchern und Musik habe ich auch dabei. Weitere Infomationen dazu gibts auf meiner Homepage www.norrbooks.com unter “Aktuelle Veranstaltungen”.

Im Februar 2009 halte ich auch Vorträge auf dem Jokkmokk-Markt. Wer ihn noch nie besucht hat, der sollte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Der Markt in Jokkmokk ist einer der schönsten Sami-Märkte, die ich kenne. Infos gibt es auch unter:

www.jokkmokksmarknad.com