Heißer Schwedensommer
Nun wird es langsam heiß in Schweden, die Temperaturen haben die Algen in der Ostsee zum Blühen gebracht und diese bilden nun wieder dicke grünbraune Algenteppiche mit der Folge, dass die Gesundheitsämter empfehlen, jetzt auf das Baden zu verzichten…. Und auch die Schwedische Reichstagswahl im September wirft ihre ersten heißen Flammen voraus, um die Gemüter zu erhitzen.
So schreiben die Zeitungen, dass Herr Littorin - Schwedens Arbeitsminister - mit sofortiger Wirkung sein Amt verläßt. (Ob er wohl auch eine 3-monatige Sperrung des Arbeitslosengeldes erleidet und nun im ganzen Land nach einem neuen Job suchen muss?)
Und was macht Grudrun Schyman - die schwedische Version von Alice Schwarzer? Ihr gelingt es mal wieder die Augen der Öffentlichkeit auf ihre Politik - die eigentlich unser aller Politik sein sollte
- zu lenken, indem sie öffentlich 1000 (eintausend) echte 100-Kronen-Geldscheine verbrennt, um auf die Löhnediskrimierung der Frauen in Schweden aufmerksam zu machen.
Den besten Bericht dazu fand ich lustiger Weise - auf Deutsch - in der Süddeutschen Zeitung:
http://www.sueddeutsche.de/karriere/-euro-im-grillfeuer-flammender-appell-fuer-gerechtigkeit-1.970914
Viel Spass beim Lesen .
Sollte der Link nicht funktionieren, hier der Text aus der SZ:
“Es hat sich gelohnt”
Eine schwedische Politikerin hat umgerechnet 10.000 Euro auf einem Grill verbrannt, um gegen niedrige Löhne für Frauen zu protestieren.
Gudrun Schyman, 62, ist Vorsitzende der kleinen schwedischen Partei “Feministiskt initiativ” (Feministische Initiative), mit der sie bei der Wahl im September einen Platz im Schwedischen Reichstag gewinnen will. Am Dienstag verbrannte sie öffentlich einen Teil ihres Wahlkampfbudgets.
SZ: Wie lange hat Ihr Geld denn gebrannt?
Gudrun Schyman: Etwa eine halbe Stunde. Wir haben 100-Kronen-Scheine verwendet und sie in einem ganz gewöhnlichen Grill angezündet.
SZ: Warum?
Schyman: Wir haben 100.000 Kronen (etwa 10.000 Euro) von zwei Männern aus der Werbebranche geschenkt bekommen. Die sind genauso verärgert wie wir darüber, dass es in Schweden eine systematische Lohndiskriminierung gibt. Berufe, in denen mehr Frauen arbeiten, sind schlechter bezahlt als Berufe die von Männern dominiert werden. Dabei ist die Ausbildung oft gleich lang und die Verantwortung gleich groß. Diese Diskriminierung kostet die schwedischen Frauen etwa 100.000 Kronen pro Minute.
SZ: In Deutschland halten wir Schweden eigentlich für ein Vorbild in Sachen Gleichberechtigung. Stimmt das etwa gar nicht?
Schyman: Nein. Auf dem Arbeitsmarkt jedenfalls sieht es schlimm aus. Die Lohndiskriminierung gibt es seit Jahrzehnten und keine Partei tut etwas dagegen. Die Gehaltsschere zwischen Mann und Frau macht im Schnitt fast 4700 Kronen im Monat aus (knapp 500 Euro). Es betrifft alle Gehaltsgruppen: Wo mehr Frauen arbeiten, wird weniger verdient. Wir fordern einen staatlichen Gleichstellungsfonds, der diese Unterschiede ausgleicht.
SZ: Wäre es nicht sinnvoller, sich dafür einzusetzen, dass mehr Frauen in Männerberufen arbeiten?
Schyman: Damit steigen die Gehälter in den von Frauen dominierten Branchen doch nicht! Wir bräuchten auch mehr Männer, die in Frauenberufen arbeiten. Aber die tun das nicht, weil sie dort so schlecht bezahlt werden. Außerdem: Frauen sind im Laufe der Zeit in alle möglichen Berufsgruppen vorgedrungen. Aber sobald sie in einer Branche in der Mehrheit sind, dann stockt dort die Lohnentwicklung und der Status des Berufes sinkt. Nehmen Sie die Lehrer, das ist ein gutes Bespiel für Schweden. Vor einigen Jahrzehnten war Schule eine Männerwelt, mit männlichen Lehrern und Rektoren. Heute arbeiten dort überwiegend Frauen - und die Löhne sind im Vergleich zu früher schlechter, das Ansehen des Lehrerstandes ist gesunken.
SZ: Und was hilft es da, wenn Sie 100.000 Kronen anzünden?
Schyman: Unsere beiden Spender aus dem Reklamebüro haben uns das Geld gegeben, damit wir unsere politische Botschaft verbreiten können. Es ist ja nun mal so, dass Politik in einem Wahlkampf Geld kostet. Da haben wir überlegt, wie man die 100.000 möglichst effizient verwenden kann. Hätten wir dafür eine Annonce schalten sollen? Für das Geld hätten wir nicht einmal eine halbe Seite in einem Boulevardblatt gekriegt. Also sind wir zu dem Schluss gekommen: Die beste Art, um Aufmerksamkeit zu bekommen, ist, das Geld zu verbrennen.
SZ: Das hat funktioniert?
Schyman: Oh ja! Sie hätten mich wohl kaum angerufen, wenn ich eine Zeitungsannonce geschaltet hätte.
SZ: Stimmt.
Schyman: Sehen Sie, und so ist das auch mit allen anderen Medien. Zu unserer Verbrennung sind Journalisten von Zeitungen, Radiosendern und vom Fernsehen gekommen. Und nun bin ich gleich zu einer ganzen Reihe von Sendungen eingeladen. Es hat sich also gelohnt.